Geo-Badeorte

Zum Sommerbeginn möchten wir zwei besondere Badestellen vorstellen, die wir in diesem Jahr besucht haben. Beide Orte entstanden durch die direkte Überlagerung geologischer Formationen durch urbane Strukturen. Eine gemeinsame Besonderheit ist dabei die sichtbare Erhaltung von ursprünglichem Grund(-gestein) und dessen Integration in eine urbane Badestätte.

Forty Foot, Sandycove, Dublin

Gelegen in der suburbanen Küstenlandschaft von Dublin, bildet Forty Food, mit seinen Betonfundamenten, eine Verlängerung der Vorortbesiedlung in die irische See hinein. Die Nutzung der Badestelle reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. In diesem Teil der südlichen Stadtküste wird der natürliche Untergrund durch eine Granitformation gebildet, die sich bis in die  nahegelegenen Wicklow Mountains durchzieht. Die Küstenfelsen sind durch die Erosionen des Ozeans stark ausgewaschen und scharfe Felskanten wurden teilweise organisch abgerundet. Die geometrischen Betonformationen der Badestelle bilden dazu einen neuen Kontrast: Eine, sich abwärts neigende, Ebene aus künstlichem Beton wurde direkt in die Felsklippen gegossen. In dieser Verschmelzung aus Geologie und Geometrie ragen die natürlichen Granitkörper wie Inventar aus dem Boden oder bilden eine organische Hülle um die Badestelle. Parallel zu natürlichen geologischen Prozessen kam es somit in Forty Foot auch zu einer Form urbaner (menschengemachter) Geologie: Der flüssige Beton lief als künstliches Gestein in den Ozean und erstarrte dort zu festem Untergrund. Zukünftig wird auch dieser Beton, durch den Einfluss von Ozean und Wetter, seine Form verändern und eventuell zum Fundament neuer künstlicher oder natürlicher Schichten werden.

Als Ort der Verschmelzung ist Forty Foot auch aus kulturgeschichtlicher Sicht interessant: Im nahegelegenen Martello-Turm (eine frühe Form der Bunkerarchitektur, siehe Abb. 2: linker Bildhintergrund) wohnte James Joyce einige Tage zusammen mit Oliver St. John Gogarty  und Samuel Chenevix Trench. Die realen Erlebnisse der Gruppe im Turm überschneiden sich z.T. mit den fiktiven Ereignissen in Joyce’s Werk Ulysses. Heute ist der Turm als James Joyce Tower in ein Museum umfunktioniert.

Forty Foot

Forty Foot, ©2012 STRATAGRIDS

Forty Foot

Forty Foot (James Joyce Tower im Hintergrund links), ©2012 STRATAGRIDS

Barton Springs Pool, Austin, TX

Direkt an das Stadtzentrum von Austin angrenzend befindet sich der Zilker Park mit verschiedenen Erholungs- und Naturschutzgebieten, darunter auch die populäre Badeanstalt Barton Springs Pool. Das Schwimmbecken wurde in den Lauf des Barton Creek, ein Nebenfluss des Colorado River, eingebaut. Neben Gehwegen und Beckenrändern aus Beton, bildet eine natürlich vorhandene Kalksteinschicht den Grund des Pools und Teile des Beckenrands. Durch den unmittelbaren Kontakt zwischen Schwimmbadarchitektur und geologischer Schicht, bildet der Pool ein riesiges Messinstrument zur Ermittlung des geologischen Gefüges: Wasseroberfläche und Beckengrund ergeben die Linien für das Streichen und Fallen (siehe Abb.). Neben dieser speziellen, geologisch-geprägten, Architektur verfügt der Barton Springs Pool auch über eine hydrogeologische Besonderheit: Das Wasser im Becken wird über den Barton Creek unmittelbar aus den Barton Springs Quellen eingespeist, welche wiederum Teil des riesigen Edwards-Trinity aquifer systems sind. Die Versorgung mit frischem Quellwasser bietet das ganze Jahr über eine konstante Wassertemperatur um die 20° C, wodurch man auch im texanischen Winter angenehm Baden kann.

Der Barton Springs Pool beherbergt zudem einige Tierarten, wobei die Bekannteste wohl der Barton Springs Salamander ist, welcher nur in diesem Schwimmbad und den zugehörigen Quellmündungen vorkommt.

Barton Springs Pool

Barton Springs Pool, © 2012 STRATAGRIDS

Streichen und Fallen

Streichen und Fallen

Barton Springs Pool

Barton Springs Pool, ©2012 STRATAGRIDS

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