Kurze Einführung in die Kolonisation der Meere

1. Parallelnationen

Am 5. Juni 1967 fuhren 15 internationale Frachtschiffe durch den Suezkanal. Am selben Tag brach der Sechstagekrieg aus und zwang die Schiffe 8 Jahre lang im Großen Bittersee auszuharren, da der Kanal durch zerstörte Brücken, Seeminen und absichtliche Schiffsversenkungen auch noch lange nach Ende des Krieges blockiert wurde. Durch diese örtliche und zeitliche Unvorteilhaftigkeit entwickelte sich eine souveräne Parallelwelt in Kapselform.

Im Laufe der 8 Jahre gründeten die 14 internationalen Schiffsbesatzungen aus Deutschland, Schweden, Frankreich, Polen, Bulgarien, USA, Großbritannien und der Tschechoslowakei ein Netzwerk unter dem Namen Great Bitter Lake Association. Die Seemänner etablierten eine reihe von Freizeitaktivitäten wie Fussballmeisterschaften und Wasserski. Zeitgleich zu den Olympischen Spielen in Mexiko City wurden die Bitter Lake Olympics organisiert, an denen alle 8 internationalen Besatzungen teilnahmen.

Foto: Brian McManus

Ein eigenes Postsystem mit handgemachten Briefmarken wurde ebenfalls entwickelt. Die Briefmarken wurde von Ägyptischen Poststellen anerkannt und somit auch die Souveränität der Bitter Lake Association.

Post vom Großen Bittersee (Sammlung: Bjoern Moritz)

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2. Mikronationen

Es gibt unzählige Mikronation doch nur wenige welche internationale Gewässer zur Bildung neuer Entitäten nutzten. Dennoch sind diejenigen die ihre Neo-globale-staatsbürgerschaft auf den Weltmeeren besiegelten zum Teil die Populärsten. So ist die vorzeige Mikronation, das Fürstentum Sealand, die bekannteste der nicht anerkannten Nationen. Sie befindet sich auf einer ehemalige britischen Seefestung welche im 2. Weltkrieg zur Luft und Seeabwehr genutzt wurde und nach dem Krieg verlassen wurde.
1967 wurde die Seeplattform besetzt und kurz darauf das Fürstentum ausgerufen.
Ebenfalls zu erwähnen sind die Republik Minerva welche von einem Millionär aus Las Vegas initiiert wurde, oder die Republik Molossia, die einzig Territoriale Unterwasser Herrschaft, erworben für 25 Dollar von ISLE.

Koordinaten der Republik Minerva

Ressourcen:
– Cabinet Magazine hat dem Phänomen eine gesamte Ausgabe gewidmet welche man Online nachlesen kann.

– Möchte man eine der vielen fiktiven (existierenden!) Nationen besuchen oder gar Einwandern, kann man den Lonely Planet Guide To Micronations erwerben. (Geoff Manaugh (BLDG BLOG) hat ein Interview mit einem der Autoren geführt.)

– Das Projekt Micronationalism unternimmt den Versuch alle Mikronation auf der Google Maps Oberfläche zu verkarten.

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3. IT Nationen

Die Firma Blueseed startet voraussichtlich noch 2013 ihre erste pazifische Kolonisierung innerhalb internationaler Gewässer vor der Küste Kaliforniens.
Ausgehend von der Techno-Instanz Silicon Valley soll auf dem offenen Meer eine visumfreie existenzgründer Plattform geschaffen werden um frische Entrepreneurs anzuziehen. Die Miete für eine Einraumwohnung beträgt 1600 Dollar (inkl. Arbeitsplatz).
Im Zuge des enormen Wachstums an Informationstechnik könnte diese
Art der wirtschaftlichen Nutzung des Meeres vielleicht bald stillgelegte Bohrinseln (sobald ihre Quellen versiegt sind) für ihre Zwecke nutzen.

(Die Entwickler dieses Projektes sind die selben Silicon Valley Millionäre die 2008 das Seasteading Institute gründeten, welches eine Erweiterung des Mikrostaates als Businesskonzept zu etablieren versucht.)

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4. Ertrinkende Nationen (Internationale Liste gefährdeter Inseln)

MALTA
MALEDIVEN
MARSHALLINSELN
KIRIBATI
ETC.

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