Betonzyklen

BETONZYKLEN

Man sagt Leben ist fließend – Zyklen stellen die Regel. Beginnend mit einem winzigen leuchtenden Punkt – Flammen brennen – Endend mit einem winzigen leuchtenden Punkt. Durch unzählige Äonen rasen Bälle aus artifiziellem Gestein, Beton, Plastik und Munition, um sich mit den elementaren Naturkräften zu vereinen.

Im Gegensatz zu dem, was das künstliche Material behauptet, wird es der selben Geschichte folgen wie ein Millionen Jahre altes Sandkorn.

Deluve Santi, 1957

Der Untergrund in Lägerdorf, Schleswig-Holstein besteht aus einer 400 Meter dicken Schicht Meeresablagerungen die über 70 Millionen Jahre brauchte um zu wachsen. Diese Ablagerungen setzen sich überwiegend aus mikroskopisch kleinen Kalkteilchen winziger Meereslebewesen zusam-men, die heute als Kreide bekannt sind; ein 400 Meter tiefer Friedhof der sich über mehrere Kilometer erstreckt.

Dieser Friedhof wurde über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren durch Mensch und Maschine zutage gebracht um den Kadavern aus dem Zeitalter des Maastricht und des Campan eine neue Form zu gegeben. Die fossilen Überreste der einstigen Meeresbewohner wurden zu Zement verarbeitet und im Anschluss (fast ausschließlich) als Bindemittel für Beton verwendet. Somit fand ein zweites Begräbnis statt, welches ihnen zumindest zeitweilig Ruhe garantieren sollte.*

*Durch die Modifizierung der ursprünglichen Form der Kadaver hat sich eine Maskierung gebildet, welche die Fossilien davor bewahrt als solche erkannt zu werden. (Von nennenswertem Vorteil ist ebenfalls das Beton nur als preiswerter Baustoff angesehen wird und keinerlei Werte wie beispielsweise Naturstein besitzt. Naturstein, welcher in ganzen Stücken gewonnen wird, gerät dagegen des Öfteren in die Schlagzeilen, da man in ihm immer wieder Beweise urzeitlicher Spuren findet.)

Schon heute lässt sich prognostizieren das sich Beton in den nächsten Jahrtausenden zu einer relevanten Sedimentschicht formen wird. Dies impliziert, das der sedimentierte Beton, wie schon ihm vorangegangene Sedimentschichten, als Ressource wahrgenommen werden wird. Spätestens ab dem Zeitpunkt an dem das Betonsediment extrahiert wird, ist die Totenruhe der Fossilien ein zweites Mal gestört.
siehe Grafik >

(Sekundärzyklus)

Es war schon immer üblich Dinge in Beton verschwinden zu lassen. So fand man schon bei den Römern Schuttreste und Müll die dem Beton beigemischt wurden und später bei Archäologen Euphorie auslösen sollten. Heutzutage ist es Baustellenmanier Zigarettenstummel, Essensreste und Zeitschriften unterzumischen, was wiederum zukünftigen Archäologen Kopfzerbrechen bereiten wird. Eine weitere Variante des Rezirkulierens ist es, scheinbar zweckmäßige Gegenstände aus Beton zu gießen, die wiederum dem Zweck des Versteckens dienen sollen. So werden zum Beispiel Attrappen von Straßenbarrieren aus Beton hergestellt die im inneren mit Schmuggelware gefüllt sind. Der Klassiker jedoch, scheint der Verbund zwischen Beton und dem menschlichen Körper zu sein, der gelegentlich, in einem Stück oder zerteilt, in gegossenen Betonblöcken (meist auf dem Grund eines Gewässers) gefunden, wird womit der Mensch selbst in den Zyklus zurückgeführt wird. (…)

In Anbetracht des Potentials von Beton als verlässliches Behältnis für Geheimnisse, erscheint der Schritt logisch, dies mit einem Produkt welches sich Solid Poetry nennt, hervorzuheben.

Die tägliche Erinnerung daran, dass Leben und Tod in kontinentalen Blöcken aus Beton eingeschlossen sein wird.

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CONCRETE CYCLES

They say life is fluid – cycles are the rule. Starting with a tiny glowing spot – flames burning – ending with a tiny glowing spot. Through countless eons balls of concrete, plastics and ammunition rush its way in order to unite with the elemental forces of nature.

Contrary to what the artificial material claims, it will follow the same history as a million years old grain of sand.

Deluve Santi, 1957

The surface of Lägerdorf, Schleswig-Holstein consists of a 400 meter thick layer of marine sediment which took more than 70 million years to grow. This deposit consists mostly of microscopic calcium particles of tiny sea creatures that are nowadays known as chalkstone. A 400 meter deep graveyard which extends over several kilometers.

This cemetery has been unearthed over a period of 104 years by men and machine to give new shape to the corpses from the age of the Maastricht and the Campan. The remains were processed into cement and then (almost exclusively) used as a binder for concrete. So it happened that the fossil remains were undergoing a new funeral, which would at least temporarily guarantee peace.* Pulverized and included in the paving slabs and tower blocks made of impervious concrete in the well-known funeral-sky-grey. The silent winner of our epoch, the next rock mass in the sediment.

* By modifying the original form of the corpses a masking formed which preserves the fossils before being recognized as such. (Of significant advantage is also that concrete is regarded as a cheap building material and has no value compared to natural stone. Natural stone, which is derived in whole pieces, is hitting the headlines more frequently, as it often directly reveals evidence of prehistoric traces.)

However, there are already predictions that concrete will be a relevant sediment layer over the next millennia, which curiously implies that it will be perceived as a resource as well!

At the moment of extraction of the concrete, the eternal peace of the fossils is disturbed once more.

(contemporary cycle)

It was always common to make things disappear in concrete. Already with the Romans you could find remains of waste and debris that was mixed in with concrete and which should trigger some euphoria future archeologists . Nowadays it is construction site manner to intermix cigarette butts, food scraps and old magazines to give headaches to future archaeologists. Another common practice is to cast seemingly functional items out of concrete, which in turn will serve the function of hiding. Thus, for example, mock concrete barriers for road traffic are being produced in order to fill the inside with contraband. The classic, however, seems to be human himself, which is repeatedly found (usually at the bottom of a water body) in one piece or cut into cast concrete blocks. Apparently, the material is even harder when it is exposed to water. Samples of a concrete ship which sank during WWI showed that the material’s compressive strength has doubled.

Considering the overlooked potentials of concrete as a reliable keeper of secrets, it seems to be a logical step to highlight them with a product titled: Solid Poetry, indeed! An everyday reminder that live and dead will be encased in continental blocks of concrete yet to be formed.

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